Katholische Pfarrgemeinde St. Maximilian Kolbe

Maximilian-Kolbe-Alle 18 · 81739 München · Telefon 089 6302480 · Fax 089 63024822                                       Stand: 19.08.2007

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Krankensalbung

ZEICHEN DER HOFFNUNG FÜR UNSERE KRANKEN

Krankheit ist nicht nur eine körperliche Panne. Im Kranksein wird dem Menschen bewusst: mein Leben ist von Grund auf gebrechlich und fragwürdig. Der Kranke erlebt das Ausgeliefertsein (an Pflege, Arzt, Apparate), er ist aus der Gemeinschaft herausgerissen, zur Untätigkeit und zum Ertragen von Schmerz gezwungen. Das alles ist neu oder leidig alt für ihn und will innerlich bewältigt sein. Das Kranksein mit allen Folgen – bis hin zum Sterben – ist eine Herausforderung an den Glauben eines Menschen. Wer all zu sehr gesetzt hat auf seine persönlichen Kräfte. Seine Begabung, Tüchtigkeit, Beziehungen oder Ansehen, erfährt plötzlich Ohnmacht und fragt: worauf baue ich jetzt? Man bekommt Zeit zum Nachdenken über das eigene Leben – auch über Gott. Nicht selten wird eine so ungewollte Ohnmachtserfahrung zu einem neuen inneren Anfang.

WAS WILL DIE KRANKENSALBUNG?

Mitten in dieser Unheil-Situation soll der kranke oder alte Mensch erfahren: Ich bin nicht allein gelassen - weder von Gott, noch von der Gemeinde. Das wird leibhaftig deutlich in der sorgenden Pflege durch andere, im fürbittenden Gebet glaubender Menschen, am stärksten aber in der zeichenhaften Zuwendung der Krankensalbung.

Sie ist nicht Sterbesakrament, das erst kurz vor dem Tod empfangen werden soll. Deshalb muss der irreführende Ausdruck "letzte Ölung" aus dem Sprachgebrauch verschwinden.

Sie ist nicht Todesweihe. Wie oft wird der Priester aus falschem Verständnis als erschreckender Todesbote verstanden!

Sie ist keine Eintrittskarte in den Himmel. Angehörige leben oft in der Angst, ohne Krankensalbung sei ein Sterbender verloren und bitten noch um die Spendung des Sakramentes Stunden nach dem Tod.

DIE KRANKENSALBUNG IST VIELMEHR:

– Hilfe, im Glauben, die derzeitige Lage anzunehmen.
– Kraft, der Angst und Resignation zu widerstehen
– Zeichen der Hoffnung auf neue Gesundheit oder auf Durchbruch zum verheißenen ewigen Leben.
– Erfahrung, was ein gemeinsames Gebet Glaubender vermag.
– Zusage der Sündenvergebung.

DIE KRANKENSALBUNG KANN DESHALB GESPENDET WERDEN :

– bei jeder Krankheit, nicht erst in Todesgefahr
– auch bei alten Menschen ohne akute Krankheit
– auch an Kinder und Jugendliche in Krankheit
– Öfters als nur einmal im Leben
– zuhause im Kreis der Familie
– in der Pfarrkirche bei gemeinsamen Krankengottesdiensten.

WOHER DIESE NEUE SICHT?

Der biblische Hintergrund für das Sakrament der Krankensalbung ist im Jakobusbrief 5,14 f. überliefert:
"Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich. Sie sollen über ihn beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das Gebet aus dem Glauben wird den Kranken retten und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben!"
Da ist keine Rede von letzter Ölung oder vom Sterbesakrament. Dieses irreführende Bewusstsein ist entstanden durch eine sehr einseitige Praxis seit dem Hochmittelalter. Bis zur Karolingerzeit (ca. 900 n. Chr.) wurde die Krankensalbung sogar von Laien gespendet. Im Mittelalter wurde sie im Zusammenhang mit einer strengen Bußpraxis zu einem Ritus, der nur noch an Sterbenden vollzogen wurde. In jener Zeit schoben sogar viele den Kommunionempfang bis kurz vor dem Sterben
auf um ja sicher zu gehen. Schon das Konzil von Trient (um 1550) hat diese Einführung korrigiert. Ohne Erfolg. Erst dem 2. Vatikanischen Konzil (1960) ist es gelungen, der ursprünglichen, biblisch getreuen Praxis wieder Geltung zu verschaffen. Seit Advent 1975 ist der neue Ritus der Krankensalbung verbindlich eingeführt.

DIE ZEICHEN DER KRANKENSALBUNG

Beim Sakrament der Krankensalbung werden zwei Zeichen verwendet:
1. Die Salbung mit geweihtem Öl
auf Stirn und Hände. Sie sind zentrale Ausdrucksfelder des menschlichen Körpers. Im Altertum haben sich Ringkämpfer mit Öl eingerieben, damit der Gegner an ihrer glatten Haut nicht zupacken konnte. Der Feind in der Krankheit ist die Angst oder Resignation, der Unglaube. Sie sollen den Kranken nicht packen können, der im Sakrament die helfende Nähe Gottes ausführt.
2. Die Handauflegung
bzw. die Ausbreitung der Arme über den Kranken. Das ist eine Schutz– und Segensgeste und verdeutlicht das betende Einstehen der Gemeinde für den Kranken.
Krankensalbung